Konzertarchiv
Konzert 2025
Konzert 2025

Frick-Gesellschaft feiert Richard Wagner
„Faszination Wagner“ lautet das Motto des diesjährigen Festkonzerts der Gottlob-Frick-Gesellschaft, bei dem Lehrende und Studierende der Musikhochschule Karlsruhe gemeinsam brillieren. Das Künstlertreffen ist für jede Menge Überraschungen gut.
VON DR. DIETMAR BASTIAN
NEULINGEN-BAUSCHLOTT. „Namhafte, weltberühmte Wagner-Sängerinnen und -Sänger, die in einer Sporthalle auftreten und sich bescheiden in ein Konzertgeschehen in der Provinz einreihen, das bringt nur die Gottlob-Frick-Gesellschaft zustande“, scherzte Professor Dr. Stephan Mösch von der Karlsruher Musikhochschule, der am Samstagnachmittag eine dreistündige Operngala in der geräumigen Gräfin-Rhena-Halle in Neulingen-Bauschlott moderierte. Das traditionelle Künstlertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft war auch in diesem Jahr für jede Menge Überraschungen gut – gesellschaftlich und musikalisch.
Die ebenso traditionelle Zusammenarbeit mit der Musikhochschule Karlsruhe, einer der wichtigsten Talentschmieden des Landes, war in diesem Herbst noch einmal deutlich erweitert worden. Sie steuert im Jahr 2026 auf den Abschluss eines Fünfjahres-Hochschul-Projekts „RiWa2026“ (Richard Wagner) zu, dem Jahr, in dem die Bayreuther Festspiele ihren 150. Geburtstag begehen. Wagner-Forscher und Autor Stephan Mösch hatte zusammen mit Präsidiumsmitgliedern des Vereins die Vorbereitungen zu dem Konzert in Bauschlott getroffen, dem zwei weitere Aufführungen in Heilbronn und Karlsruhe folgen sollen. Der Clou des Programms „Faszination Wagner“ war, dass Lehrende und Studierende gemeinsam auftreten. Eine solch geballte künstlerische Präsenz war selbst für die Gottlob-Frick-Gesellschaft, in der sich von jeher versammelt, was in der Opernwelt Rang und Namen hat, außergewöhnlich. Christiane Libor, Sopran, Christian Elsner, Tenor, Hanno Müller-Brachmann, Bassbariton und Friedmann Röhlig, Bass, konnten bereits auf eine Weltkarriere auf den Bühnen dieser Welt zurückschauen, bevor sie vor einigen Jahren einem Ruf an die Karlsruher Musikhochschule folgten. Auf diese gestandenen Bühnenstars und Hochschullehrer trafen nun die Nachwuchstalente Claudia Péreira, Mezzo, Junquian Chen, Bassbariton, und Josua Bernbeck, Bariton (beim Festakt zur Verleihung der Gottlob-Frick-Medaillen 2025). Ebenso außergewöhnlich die Größe des begleitenden Klangkörpers, des Heilbronner Sinfonie Orchesters, unter der Leitung von Professor Alois Seidlmeier, der ebenfalls Lehrer an der Karlsruher Musikhochschule ist. Wagner erfordert ein großbesetztes Orchester, insbesondere im Bereich der Blechbläser. Dementsprechend teuer und logistisch aufwendig dürfte der Einsatz für die Heilbronner gewesen sein.
Professor Mösch und das Präsidium der Gottlob-Frick-Gesellschaft mit Thomas Kleinheinz an der Spitze hatten für die Gala eine raffinierte Programmfolge ausgetüftelt, die sich für die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer als überaus attraktiv erweisen sollte. Richard Wagner und seine musikalischen Vorbilder lautete der Kerngedanke. Ausgesuchten Passagen aus den „Meistersingern“ (Monolog des Hans Sachs), dem „Parsifal“ (Szene und Karfreitagszauber Gurnemanz und Parsifal) und „Tristan und Isolde“ (Vorspiel und Isoldens Liebestod) wurden Szenen aus Opern von Hector Berlioz, Vincenzo Bellini und Carl Maria von Weber, die jeder auf seine Weise den bühnendramatischen Kosmos Richard Wagners inspiriert haben, gegenübergestellt.
Professor Möschs Moderation geriet zu einer höchst unterhaltsamen und informativen Kurzvorlesung über die Geschichte der Oper im 19. Jahrhundert. Den erfahrenen und technisch reifen Stimmen Libors, Elsners, Müller-Brachmanns und Röhligs traten die vielversprechenden, noch entwicklungsfähigen Péreiras, Chengs und Bernbecks gegenüber. Hier Erfahrung und Meisterschaft, dort jugendliche Frische und Leidenschaft für den Bühnengesang.
In der Arie des Méphistophéles aus Berlioz’ „La Damnation de Faust“ überraschte Cheng mit einem dunklen Timbre, einem weichen Piano und einer aufstrahlenden Höhe. Viel Applaus erhielt die junge Portugiesin Péreira für ihre warme und stilistisch absolut stimmige Wiedergabe der Cavatine des Romeo aus Bellinis „I Capuleti e i Montecchi“. Bereits im Vorprogramm, beim Festakt zur Verleihung der Gottlob-Frick-Medaillen, hatte der Nachwuchs-Bariton Josua Bernbeck das Publikum mit einer in allen Lagen ausgeglichenen Stimme und bester Textverständlichkeit bei Graf von Liebenaus Arie „Heiterkeit und Fröhlichkeit“ aus Lortzings „Wildschütz“ überrascht. Das sind drei Stimmen, die Anlass zu den größten Hoffnungen auf eine glänzende Karriere geben. Man sollte sich die Namen merken. Erfolgreiche Sängerinnen und Sänger, die auf den großen Bühnen der Welt auftreten, müssen nicht zwangsläufig gute Pädagoginnen und Pädagogen sein. Künstlerische Meisterschaft und die Gabe, das eigene Können an die nachfolgende Generation weiterzugeben, sind durchaus zweierlei. Doch bei Christiane Libor, die am Samstag eine ganz wunderbare Isolde verkörperte, und ihren drei männlichen Kollegen sieht es ganz danach aus, dass sie ihr Können zu vermitteln imstande sind.
Bleibt noch, das wunderbare Heilbronner Sinfonie Orchester unter Alois Seidlmeier zu würdigen. Es vermochte, bei Wagners selten aufgeführter Faust-Ouvertüre WWV 59 und dem Tristan-Vorspiel farbenreich, klangmächtig und gleichzeitig sensibel aufzutrumpfen, sich aber in der begleitenden Rolle stark zurückzunehmen. Überaus konzentriert Alois Seidlmeier, der langjährige Freund und Förderer der Gottlob-Frick-Gesellschaft. Nicht enden wollender Applaus zeigte, dass es dem Publikum ausnehmend gut gefallen hat.
Dem Konzert ging ein Festakt mit Verleihung der Gottlob-Frick-Medaillen voraus. In diesem Jahr wurden folgende Personen geehrt: Juliane Banse, Sopran (wegen Krankheit nicht selbst anwesend), Erika Budday, Kirchenmusikdirektorin in Maulbronn, Josua Bernbeck, Nachwuchs-Bariton und Student an der Hochschule für Musik Stuttgart, Milcho Borovinov, Bass, John Pickering, Tenor und früherer Kollege Gottlob Fricks. Auch die Solisten der Operngala erhielten nach ihrem Auftritt eine Medaille. Professorin Libor hatte sie bereits 2018 erhalten, Professor Mösch wurde in seiner damaligen Funktion als Redaktionsleiter der Zeitschrift „Opernwelt“ bereits 2004 mit der Goldmedaille ausgezeichnet.





