Konzertarchiv

Konzert 2018

Konzert 2018

Gottlob-Frick-Gesellschaft e. V. - Archiv Konzert 2018

Dies Bildnis ist bezaubernd schön

Der Präsident der Gottlob-Frick-Gesellschaft, Frank Schneider, steht an diesem Samstagnachmittag am Pult, um seine Begrüßungsrede zu halten, und auch das Orchester hat seine Plätze eingenommen. Herzlich begrüßt er die Ehrengäste, darunter Landratstellvertreter Wolfgang Herz sowie Vertreter politischer Gemeinden, aktuelle und frühere Medaillenempfänger sowie den Ehrenpräsidenten Hans A. Hey. Schneider lenkt das Augenmerk auf die Hauptaufgabe des Künstlertreffens, von dem er sich viele Möglichkeiten zu zwischenmenschlichen Begegnungen erhofft. Die Hauptaufgabe der Gottlob-Frick-Gesellschaft sei es, junge Sänger zu fördern und ihnen ein Podium zu bieten, das als Sprungbrett fungieren kann. Und so macht er die Bühne frei für Arminia Friebe und Bastian Thomas Kohl.

Kurz darauf durchflutet der unnachahmliche Schmelz italienischer Opern die Erlentalhalle in Ötisheim. Mit viel Gefühl bringt Arminia Friebe den Hauptgedanken der Arie „Vissi d’arte“ aus Puccinis „Tosca“ zum Ausdruck, ohne zu überzeichnen.

Ein spitzbübisch schelmisches Lächeln huscht kurz darauf Bastian Thomas Kohl über das Gesicht, bevor er zur Arie „O, wie will ich triumphieren“ aus Mozarts „Entführung aus dem Serail“ anhebt. Es gelingt ihm bei allen technischen Schwierigkeiten, die die Arie zu bieten hat, den Anschein der Leichtigkeit zu bewahren, wozu auch sein Gesichtsausdruck als Teil seiner Darbietung beiträgt.

Im Anschluss an die ersten musikalischen Darbietungen des Nachmittags ergreift Geschäftsführer Adalbert Bangha das Wort. Er stellt insgesamt 18 neue Träger der Gottlob-Frick-Medaille vor, darunter die vier Solisten der Gala, die ihre Medaille allerdings erst nach dem Konzert überreicht bekommen. Seiner Laudatio zur Verleihung der Medaille in Gold stellt Ehrenpräsident Hans A. Hey ein Zitat des Musikschriftstellers Oskar Bie voran, der die Oper einmal als das unmögliche Kunstwerk bezeichnete. Doch, so Hey, werde dieses unmögliche Kunstwerk auch in der digitalisierten Welt existieren, denn das unmittelbare Entstehen der Musik und der direkte Kontakt zwischen Sänger und Publikum stellten den besonderen Reiz dar.

Um die Förderung von Nachwuchskünstlern in besonderem Maße verdient gemacht hat sich das 1998 von Sonja Gräfin Bernadotte af Wisborg ins Leben gerufene Europäische KulturForum Mainau, das als diesjähriger Träger der Goldmedaille auserkoren wurde. Das Forum folgt dem Grundgedanken, Menschen auf kultureller Ebene zusammenzuführen, und fördert als gemeinnütziger Verein kulturelles Schaffen im Sinne des pro-europäischen Gedankens. Treibende Kraft für zahlreiche Verbindung schaffende Projekte ist die im Opernbereich von Baden-Württemberg hoch verdiente Brigitte Stephan. Ihr und dem KulturForum besonders am Herzen liegt der Anneliese-Rothenberger-Gesangswettbewerb, der alle zwei Jahre angehenden Opernsängern die Möglichkeit gibt, sich einer fachkundigen Jury und im Abschlusskonzert auch der interessierten Öffentlichkeit zu stellen und den Wettbewerb als weiteren Knotenpunkt in ihrem Netzwerk einzupflegen. Christian Graf Bernadotte weist in seiner Dankesrede darauf hin, dass es Vereinigungen zur Förderung der Kultur weiter geben müsse und dass die Medaille für ihn Auszeichnung, aber vielmehr auch Ansporn sei, den Weg weiterzugehen. Für Brigitte Stephan ist die Medaille etwas ganz Besonderes, wurde doch ihre Mutter als angehende Opernsängerin selbst von der Familie Frick gefördert, und auch im hohen Alter erinnerte sich Gottlob Frick noch an einen Besuch der jungen Brigitte Stephan in seiner Garderobe nach einem gelungenen Opernabend. Zudem sei sie froh und stolz, dass unter den Solisten des Nachmittags und Abends auch zwei seien, die den Anneliese-Rothenberger-Wettbewerb gewonnen haben.

Herzlicher Applaus begrüßt Professor Alois Seidlmeier, den Dirigenten des Heilbronner Sinfonie Orchesters, zu Beginn des Festkonzerts, und nach wenigen Augenblicken füllen neckisch die Töne der Zauberflöten-Ouvertüre von Wolfgang Amadeus Mozart den Saal. Seine Werke werden den ersten Teil des Konzerts prägen. Die Bühne ist bereitet für den Auftritt der vier ausgewählten Opernsänger, die im zweiten Teil ihre persönlichen Lieblingsarien vorstellen. Tenor Tilman Lichdi eröffnet mit der titelgebenden Arie von Tamino „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ und singt später die Arie des Belmonte „Ich baue ganz auf deine Stärke“. Hell und strahlend erklingt seine Stimme, die sich durch eine angenehme Klangfarbe auszeichnet. Geschickt führt Lichdi sein Instrument auch durch Koloraturen und im Piano. Das kommt ihm vor allem in der Arie des schneidig-galanten Almaviva aus „Il barbiere di Siviglia“ von Gioachino Rossini zugute. Lichdi hat sichtlich Freude an seinem Tun und vermittelt diese auch den Orchestermusikern und vor allem dem Publikum.

Natalia Kawalek singt Mozarts Konzertarie „Vado, ma dove? O Dei“ energiegeladen und mit viel Gefühl. Aus Rossinis Barbier entnimmt sie die Cavatine „Una voce poco fa“, in der sie vor allem durch die verschiedenen Facetten in ihrer Darbietung überzeugt, von neckisch über sehnsüchtig bis hin zu zickig ist alles vertreten. Ihre letzte Einzelarie singt die Mezzosopranistin als Zugabe. Jetzt steht sie als Carmen auf der Bühne: verführerisch, bildschön und blitzgefährlich für alle, die sich zu nahe an sie heranwagen.

Bariton Alejandro Lárraga Schleske nimmt das Publikum bereits mit den ersten Tönen seiner Arie des Grafen aus „Le Nozze di Figaro“ „Hai già vinto la causa“ gefangen. Mit Leichtigkeit meistert er alle Schwierigkeiten, flüssig bleibt sein Gesang, geschmeidig seine Stimme. Auch mit der Arie des Don Giovanni „Finch’ han dal vino“ aus der gleichnamigen Oper kann Schleske begeistern. Das rasante Tempo beeindruckt den Sänger überhaupt nicht, sicher sitzt jede Silbe, jeder Ton, und die Stimme bleibt in vollem Umfang präsent und leuchtend. In der Arie des Rodrigo „Per me giunto – lo morró“ aus Verdis „Don Carlos“ lässt er noch einmal seine elegante Stimme erklingen, in die er so viele Gefühle zu legen vermag.

Jennifer O’Loughlin tritt an der Seite von Natalia Kawalek zum ersten Mal auf die Bühne. Ihre Sopranstimme erklingt lieblich, ohne kitschig zu sein, wie ein glitzernder Sonnenstrahl, der sich durch die Blätter eines Baumes seinen Weg sucht, um das Herz zu erfreuen. Mit Kawalek im Duett als Annio und Servilia aus Mozarts „La clemenza di Tito“ bildet sie ein Sängerpaar, ohne sich zu verlieren. In der Arie der Konstanze „Martern aller Arten“ begeistert sie durchweg. Zart ist der Einstieg dann in die Arie der Amina „Ah, non credo mirarti“. In den weiten, getragenen Melodiebögen entfaltet sie ihre Stimme in voller Klarheit. Koloraturen gelingen auch in höchsten Höhen, und der donnernde Applaus mit zahlreichen Bravo-Rufen ertönt zu Recht aus dem Publikum. Das Heilbronner Sinfonie Orchester genießt dieses Konzert sichtlich. Die vier Opernouvertüren, die thematische Überleitung und Einführung darstellen, gestalten die Musiker mehr als nur überzeugend.

Wenn Hans A. Hey im Festakt meinte, die heutigen Regisseure würden der Musik zu wenig bedeutungsvollen Raum lassen, als dass es noch wahre Sternstunden der Oper geben würde, so wird an diesem Nachmittag nicht nur sein Herz erfreut. Die jungen Sänger zeigen, dass es sich lohnt, in die Oper zu gehen und diese wunderbaren Stimmen zu hören.

Text: Mühlacker Tagblatt