Konzertarchiv

Konzert 2019

Konzert 2019

Gottlob-Frick-Gesellschaft e. V. - Archiv Konzert 2019

Strahlende Opernsterne

Heiterkeit und Fröhlichkeit – Weit mehr als Witz, heitere Laune wurde den Besuchern beim Galakonzert der Gottlob-Frick-Gesellschaft e.V. in Vollendung geboten.

Der Festakt, der dem Konzert vorausgeht, ist bereits eine lieb gewordene Tradition. In dieser Veranstaltung werden alljährlich die Gottlob Frick Medaillen an Persönlichkeiten verliehen, die sich im Sinne der Zielsetzung der Gesellschaft besondere Verdienste erworben haben. Junge Gesangssolisten erhalten die Chance, sich vor dem illustren Kreis der Gäste aus dem künstlerischen Bereich zu präsentieren. Den Auftakt machte der erst neunzehn Jahre alte Alexander Edelmann, der jüngste Spross der Sängerfamilie Edelmann. Als nach Liebe schmachtender Vogelfänger Papageno eroberte er mit dem unsterblichen Opernschlager „Ein Mädchen oder Weibchen“ aus Mozarts „ZAUBERFLÖTE“ mit seiner jugendlich frisch klingenden Stimme, erstaunlich sicherem Auftritt, bereits ausdrucksvollem Spiel und natürlich wienerischem Charme die Herzen der Zuhörer im Sturm. Der zweite Vorstellungskandidat Florian Kontschak sang mit schlank geführtem Bass die Arie „O sancta justizia“ aus Lortzings komödiantischem Meisterwerk „ZAR UND ZIMMERMANN“. Ohne jegliche Übertreibung kostete er die heiteren Gags der Arie gekonnt aus. Besonders beeindruckend das im tiefen Keller der Bassregion ausgetragene Duell mit dem Fagott. Umjubelter Sänger Florian Kontschak!

Nach diesen erfreulichen Auftritten der beiden Nachwuchssänger war es passend, dass der Ehrenpräsident der Gottlob-Frick-Gesellschaft Hans A. Hey in seiner Laudatio fast kämpferisch bessere Chancen und Karriere-Aussichten für junge Sänger beim Berufsstart forderte. Dramaturgisch gekonnt darauf aufbauend wurde der Otto Edelmann Society mit Sitz in Wien für die enormen Verdienste in der Unterstützung junger Sänger beim Eintritt in den hart umkämpften Sängermarkt die Gottlob-Frick-Medaille in Gold verliehen und vom Präsidenten Frank Schneider den Initiatoren Silvia Saavedra Edelmann und Professor Peter Edelmann überreicht.

Humor war im direkt folgenden Galakonzert wie bereits angedeutet nur ein Aspekt in der gekonnt konzipierten Programmfolge. Wie bei einem raffiniert zusammengestellten Menü reihten sich die musikalischen, gesanglichen Höhepunkte aneinander. Mit Seelenbildern zwischen Traum, Liebe, Glückseligkeit, großen Gefühlen und Dramatik, also der Faszination, die nur die Oper bieten kann, fesselten die drei ausgezeichneten Solisten das Publikum von Anfang an. Ein großes Lob auch den Programmverantwortlichen.

Die Atmosphäre und das besondere Flair des Konzertabends schuf Alois Seidlmeier mit seinem Heilbronner Sinfonie Orchester. Er begleitete die zum Teil noch sehr jungen Gesangssolisten nicht nur einfühlsam, er trug sie gewissermaßen auf Händen und konnte durch sein Dirigat mit hoher Sensibilität, aber auch durch Schwung und Feuer seine Sänger zu Bestleistungen mitreißen. Ihre ganze Klasse stellten der erfahrene Operndirigent Seidlmeier und seine spielfreudigen Heilbronner Sinfoniker in den drei Ouvertüren unter Beweis: Mit strahlender Brillanz wurde trotz der rasanten Tempi Mozarts virtuose Ouvertüre zu „DIE HOCHZEIT DES FIGARO“ durchsichtig, leicht und federnd serviert. In der Ouvertüre zu „DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR“ ist der waldesrauschende Traumklang als Hinweis auf die Zauberwelt des Schlussakts glänzend gelungen. Die sinfonisch breit angelegte Ouvertüre zu Verdis „MACHT DES SCHICKSALS“ fasst in meisterlicher Weise die Motive der Handlung zusammen. Alois Seidlmeier und seinen Musikern ist es gelungen, die Eigenart und Schönheit der unterschiedlichen Werke voll zum Klingen zu bringen. Jetzt aber spätestens zu den drei Opernsternen, den Sängern, die mit strahlenden Stimmen die Höhepunkte im Gala-Menü des Programms zum Leuchten brachten. Peter Edelmann wirkte vom ersten Auftritt an als Grandseigneur. Figur, Auftreten, Stimme, Ausstrahlung und Darstellung, alles edel, elegant, weltmännisch – vergoldet durch liebenswerten Wiener Charme. Der erfahrene Bariton präsentierte sich in einer Auswahl seiner Glanzrollen als Don Giovanni, der mit verführerisch einschmeichelndem Gesang versucht, die Kammerzofe zu täuschen. Als feuriger Torero dominiert er mit großer Stimme und eindrucksvoller Jubelgeste. Am meisten beeindruckte der Sänger jedoch, wenn er als Zar Peter nachdenklich im schönsten Mezza-Voce-Stil über sein Leben nachsinnt und als Vater Germont aus Verdis „LA TRAVIATA“ seinen Sohn Alfredo mit eindringlicher Gefühlsintensität tröstet.

Sonore Stimme, warmes Timbre und strahlende Höhe bietet Paul Armin Edelmann in zwei populären Bravourarien. Als Figaro in Mozarts „FIGAROS HOCHZEIT“ verängstigt er den zum Militärdienst abgestellten Cherubino, indem er ihm mit feiner Ironie alle Plagen des Soldatenlebens drastisch schildert. In der Arie „Heiterkeit und Fröhlichkeit“ aus Albert Lortzings „WILDSCHÜTZ“ verströmt er mit vollem Stimmglanz beste Stimmung, ja Glückseligkeit. In Richard Wagners elegischem „Lied an den Abendstern“ muss der Interpret die tiefen Gefühle der entsagenden Liebe und der wehmütigen Todesahnung ausdrucksmäßig zum Klingen bringen. Paul Armin Edelmann singt dieses tiefgründige Werk mit seiner ganzen Erfahrung als Liedersänger mit betörend weichen Kantilenen, perfektem Legato und höchster Stimmkultur. Gewiss, man kann die Romanze aus „TANNHÄUSER“ dramatischer gestalten, schöner singen als es Paul Armin Edelmann gelang, kann man sie kaum. Im sehnsuchtsvollen Lied des Pierrot aus der „TOTEN STADT“ von Korngold werden vom Sänger balsamisch schöne Töne gefordert. Gleichzeitig muss er in der Rückschau auf sein Leben als Clown Traum und harte Realität schildern. Eine Herausforderung für jeden Sänger. Paul Armin Edelmann hat auch diese gemeistert.

Die Besonderheit der gemeinsamen Konzerte der Edelmann-Brüder ist das Zusammenwirken der beiden glanzvollen Baritonstimmen. Deshalb hatten sie auch mit zwei komödiantischen Duetten den größten Publikumserfolg. In dem Duett Fluth-Falstaff aus “DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR“ und einem weiteren aus Donizettis Opera Buffa „DON PASQUALE“ konnten die beiden so richtig loslegen.

Ideale stimmliche Harmonie, präzises Zusammenspiel, gelungene körpersprachliche Interaktion, teilweise fast tänzerische Darbietungen, gut sitzende Pointen wurden zu einer mitreißenden, jedoch immer niveauvoll-eleganten Show. Das Publikum tobte. Bange Frage: Wie kann die junge, zarte kroatische Sopranistin Josipa Bainac gegen die mit allen Wassern gewaschenen Edelmänner bestehen? Sie bestand nicht nur, sie brillierte neben und mit ihnen. Mit künstlerischer Klugheit setzte sie ihre Stärken: Unverbrauchte Stimmschönheit, bezaubernder lyrischer Klang, hochgradige Virtuosität, Geschmeidigkeit des Vortrags, ausgezeichnete Artikulation und gewinnenden Liebreiz kontrolliert und bewusst ein. In den anspruchsvollen Arien der Gräfin aus „FIGAROS HOCHZEIT“ und der melancholischen Arie der Marie aus Smetanas „VERKAUFTER BRAUT“ konnte sie ihre bereits heute glänzenden sängerischen Potentiale eindrucksvoll beweisen. Der Höhepunkt war jedoch, als sie im Duett „Reich mir die Hand mein Leben“ die Edelmänner, die sie in einer Doppelrolle als zwei gleichzeitig auftretende Don Giovannis umwarben, anschmachteten, stimmlich und darstellerisch bezirzten, mit all ihren Verführungskünsten umgarnten, abblitzen ließ und diese vermeintlich unwiderstehlichen Casanovas charmant um den Finger wickelte.

Bei diesem Galakonzert hing der Opernhimmel wahrlich voll strahlender Sterne: Bezaubernde Melodien, fabelhafte Gesangssolisten, ein spielfreudiges Orchester und ein begeistertes Publikum, das mit einem Beifallssturm allen Mitwirkenden und den Organisatoren für ihre hervorragenden Leistungen lang und anhaltend dankte. „ O holder Traum! Wie warst du doch so schön!“