Veranstaltungen

  Eike Wilm Schulte-01
Eike Wilm Schulte

OetisheimGottlobFrickKonzert.27-14.10.2017. (Medium)
Eike Wilm Schulte mit Josy Santos

 

Die Opernsterne strahlten in hellem Glanz

Ötisheim Begeisterndes Konzert der Gottlob-Frick-Gesellschaft

Die Erwartungen lagen hoch bei den angekündigten Sternstunden der Oper. Erreicht wurden Sternstunden der Musik, denn das spielfreudige Heilbronner Sinfonie Orchester unter seinem neuen Leiter Alois Seidlmeier bot weit mehr als souveräne Sängerbegleitung. Mit sicherem Gespür und exakter Schlagtechnik gelang es dem elegant und doch temperamentvoll  agierenden Dirigenten differenziert den unterschiedlichen  Charakter der Instrumentalstücke  heraus zu arbeiten. Bereits mit der feurig gespielten Suite Nr. 1 aus Carmen überzeugte das Orchester in der  ausverkauften Erlentalhalle. Die beiden bekannten und doch so schwierigen Ouvertüren aus „Figaros Hochzeit“ und „Don Giovanni“  wurden brillant serviert. Tiefer Ausdruck und beeindruckende Dramatik gelang den Heilbronner Musikern in Beethovens Leonoren-Ouvertüre Nr. 3. In allen orchestralen Stücken bewährte sich das Heilbronner Sinfonie Orchester als homogene Einheit: Kontrastreicher, satter Streicherklang, strahlendes Blech, dynamische Holzbläser und rhythmisch präzises Schlagwerk ermöglichten diese Darbietungen auf solch hohem Niveau.

Der erste Stern ging auf, als die junge, fabelhaft aussehende brasilianische Mezzosopranistin Josy Santos die Bühne betrat und mit wundervoller Stimme und charismatischer Bühnenausstrahlung mit dem Tanzlied Seguidilla aus Bizets „Carmen“ das Publikum sofort in ihren Bann zog. Bei dieser Sängerin wurde  verständlich, dass Don José diesen auch gestisch mitreißenden Verführungskünsten nicht widerstehen konnte.

Dann kam Eike Wilm Schulte, der seit Jahrzehnten auf allen großen Bühnen der Welt strahlende Stern. Mit Leichtigkeit und Charme warb er als Papageno um ein Mädchen oder Weibchen, mit höchster Eindringlichkeit schildert er Cherubino die Plagen und Schrecken des Soldatenlebens, mit höchster Intensität meistert er die Spiegelarie des Dapertuttos aus Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“, am Ende gekrönt von einem mühelos erreichten hohen G. Seine ganze Wandlungsfähigkeit bewies Schulte in der mit dramatischer Wucht gestalteten Rachearie des Pizarro aus Beethovens „Fidelio“.  Zu einem singschauspielerischen Höhepunkt wurde das Duett  „Là ci darem la mano“ aus Don Giovanni. Nicht nur die Stimmen der beiden Sänger harmonierten perfekt. Es war geradezu anrührend, mit wieviel Gefühl   der mehr als fünfzig Jahre auf der Bühne stehende Eike Wilm Schulte um die junge Zerlina Josy Santos warb und beide sich dann liebevoll in die Arme sanken. War da noch eine Steigerung möglich? Ja es gab sie, als Eike Wilm Schulte in einem Feuerwerk aus Gesang, Mimik und Komik die Kavantine des Figaro aus Rossinis „Barbier von Sevilla“ geradezu umwerfend gestaltete und das Publikum zu frenetischem Beifallssturm und minutenlangen stehenden Ovationen hinriss. Wahrlich Sternstunden mit dem außergewöhnlichen Talent Josy Santos, der eine große Karriere vorher gesagt werden kann und dem unverwüstlichen Eike Wilm Schulte mit immer noch grandioser Bühnenpräsenz und einer unverbrauchten Stimme, die an ein Wunder grenzt, ja ein Wunder ist!

               

Im Festakt zur Verleihung der Gottlob-Frick-Medaillen präsentierten sich zwei Nachwuchskünstler:

Santos, Josy © Martin Sigmund (Medium) Seungweon LEE
Josy Santos                     Enzio LEE

 

Matinee 2017
Sonntag, 15.10.2017  11.00 Uhr
Gemeindehalle Ölbronn

 “Wieland Wagner und sein Einfluss auf das Regietheater” (Anlass 100. Geburtstag)

Ein Podiumsgespräch im Rahmen unserer Matinee

Am 5. Januar 2017 wäre der in Bayreuth geborene Wieland Wagner 100 Jahre alt geworden, wenn er nicht schon am 17. Oktober 1966 in München gestorben wäre. Nachdem im vorigen Jahr eine geplante Veranstaltung zu seinem 50. Todestag in Bayreuth abgesagt wurde, kam die Matinee im Rahmen des diesjährigen Künstlertreffens der Gottlob-Frick-Gesellschaft in der Gemeindehalle in Ölbronn zu seinem Gedenken, aus Anlass seines 100. Geburtstags, gerade recht.

Eingerahmt von Hagens Rache aus der “Götterdämmerung”, gesungen von Gottlob Frick, und dem Finale des 2. Aufzugs von “Tannhäuser”, mit Anja Silja, Josef Greindl und Wolfgang Windgassen, fand ein knapp zweistündiges, von dem Fachjournalisten Thomas Voigt geleitetes Podiumsgespräch statt, im Rahmen dessen auch Beispiele in Bild und Ton vorgestellt wurden. Beteiligt an dieser Gesprächsrunde waren die inzwischen 77-jährige Sopranistin Anja Silja, die ihr Bayreuth-Debüt 1960 als Senta im “Fliegenden Holländer” hatte, der Theaterwissenschaftler Oswald Georg Bauer, der langjährige Pressechef der Bayreuther Festspiele, der “Die Geschichte der Bayreuther Festspiele” geschrieben hat und der in diesem Jahr den Leipziger Richard-Wagner-Preis erhalten hat, und Stephan Mösch, Professor an der Musikhochschule Karlsruhe und fast 20 Jahre lang verantwortlicher Redakteur der Fachzeitschrift “Opernwelt”.

OelbronnGottlobFrickMatinee.4-15.10.2017 (Medium)

v.l.  Thomas Voigt, Anja Silja, Stephan Mösch, Oswald Georg Bauer

1991 fand in Bayreuth eine Ausstellung mit dem Titel “Denkmalschutz für Wagner?” statt, zu der ein Beiheft erschienen ist, in dem mit Beispielen aus Aufsätzen, Briefen, Reden und Interviews das Denken und Wirken von Wieland Wagner untersucht wurde. Dabei stellte sich heraus, was man schon lange wusste, dass er keinesfalls für einen Denkmalschutz seines Großvaters stand. Vielmehr ging es ihm, der 1937 das Bühnenbild für “Parsifal” und 1942 das für “Die Meistersinger von Nürnberg” geschaffen hatte, bei dem Neubeginn der Bayreuther Festspiele 1951, deren künstlerischer Leiter er bis zu seinem Tod war, immer um neue Sichten auf das Werk von Richard Wagner. Er verzichtete auf detaillierten Naturalismus. Seine Arbeit zeichnete sich durch Abstraktion und Lichtregie aus, wodurch er die Musik wieder mehr in den Vordergrund rückte.

Dass bei diesem Konzept Kritik und Anfeindung, vor allem von sogenannten Alt-Wagnerianern, und auch Skandale nicht ausblieben versteht sich eigentlich von selbst. Erinnert sei nur an den Auftritt der dunkelhäutigen Grace Bumbry als “schwarze” Venus in der Bayreuther “Tannhäuser”-Aufführung von 1961. Doch im Gegensatz zu manchen Regisseuren in unseren Tagen ging es Wieland Wagner nicht darum, Aufsehen zu erregen oder gar durch Skandale bekannt zu werden, er hatte vielmehr Bildliches im Zusammenhang und zur Interpretation eines Werkes im Sinn.

Neben seiner Arbeit als Regisseur und der Wirkung seiner Inszenierungen kam aber auch Persönliches zur Sprache. So konstatierte Anja Silja, die im Zeitraum von fünf Jahren in 32 Wieland-Wagner-Inszenierungen auf der Bühne stand: “Die Selbstzerstörung war von Anfang an in ihm”.

Dirigenten, die mit ihm zusammengearbeitet haben, passierten Revue. Und schließlich wurde festgestellt, dass hinsichtlich der Lichtregie unter den Nachgeborenen Robert Wilson ihm am nächsten kommt. Eine sowohl interessante als auch aufschlussreiche Veranstaltung der Gottlob-Frick-Gesellschaft im Rahmen des Künstlertreffens 2017.

Dieter Schnabel

 

 

 

 

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