Veranstaltungen

Konzert 2018

Der Präsident der Gottlob-Frick-Gesellschaft, Frank Schneider, steht an diesem Samstagnachmittag am Pult, um seine Begrüßungsrede zu halten, und auch das Orchester hat seine Plätze eingenommen. Herzlich begrüßt er die Ehrengäste, darunter Landratstellvertreter Wolfgang Herz sowie Vertreter politischer Gemeinden, aktuelle und frühere Medaillenempfänger sowie den Ehrenpräsidenten Hans A. Hey. Schneider lenkt das Augenmerk auf die Hauptaufgabe des Künstlertreffens, von dem er sich viele Möglichkeiten zu zwischenmenschlichen Begegnungen erhofft. Die Hauptaufgabe der Gottlob-Frick-Gesellschaft sei es, junge Sänger zu fördern und ihnen ein Podium zu bieten, das als Sprungbrett fungieren kann. Und so macht er die Bühne frei für Arminia Friebe und Bastian Thomas Kohl.

Gottl.Fr.GesellschaftKuenstlertreffen.2-13.10.2018 (Mittel)
Arminia Friebe

Kurz darauf durchflutet der unnachahmliche Schmelz italienischer Opern die Erlentalhalle in Ötisheim. Mit viel Gefühl bringt Arminia Friebe den Hauptgedanken der Arie „Vissi d’arte“ aus Puccinis „Tosca“ zum Ausdruck, ohne zu überzeichnen.

 

KT 2018 Festakt _DSC0906 (Medium)
Bastian Kohl

Ein spitzbübisch schelmisches Lächeln huscht kurz darauf Bastian Thomas Kohl über das Gesicht, bevor er zur Arie „O, wie will ich triumphieren“ aus Mozarts „Entführung aus dem Serail“ anhebt. Es gelingt ihm bei allen technischen Schwierigkeiten, die die Arie zu bieten hat, den Anschein der Leichtigkeit zu bewahren, wozu auch sein Gesichtsausdruck als Teil seiner Darbietung beiträgt.

Im Anschluss an die ersten musikalischen Darbietungen des Nachmittags ergreift Geschäftsführer Adalbert Bangha das Wort. Er stellt insgesamt 18 neue Träger der Gottlob-Frick-Medaille vor, darunter die vier Solisten der Gala, die ihre Medaille allerdings erst nach dem Konzert überreicht bekommen. Seiner Laudatio zur Verleihung der Medaille in Gold stellt Ehrenpräsident Hans A. Hey ein Zitat des Musikschriftstellers Oskar Bie voran, der die Oper einmal als das unmögliche Kunstwerk bezeichnete. Doch, so Hey, werde dieses unmögliche Kunstwerk auch in der digitalisierten Welt existieren, denn das unmittelbare Entstehen der Musik und der direkte Kontakt zwischen Sänger und Publikum stellten den besonderen Reiz dar.

Um die Förderung von Nachwuchskünstlern in besonderem Maße verdient gemacht hat sich das 1998 von Sonja Gräfin Bernadotte af Wisborg ins Leben gerufene Europäische KulturForum Mainau, das als diesjähriger Träger der Goldmedaille auserkoren wurde. Das Forum folgt dem Grundgedanken, Menschen auf kultureller Ebene zusammenzuführen, und fördert als gemeinnütziger Verein kulturelles Schaffen im Sinne des pro-europäischen Gedankens. Treibende Kraft für zahlreiche Verbindung schaffende Projekte ist die im Opernbereich von Baden-Württemberg hoch verdiente Brigitte Stephan. Ihr und dem KulturForum besonders am Herzen liegt der Anneliese-Rothenberger-Gesangswettbewerb, der alle zwei Jahre angehenden Opernsängern die Möglichkeit gibt, sich einer fachkundigen Jury und im Abschlusskonzert auch der interessierten Öffentlichkeit zu stellen und den Wettbewerb als weiteren Knotenpunkt in ihrem Netzwerk einzupflegen. Christian Graf Bernadotte weist in seiner Dankesrede darauf hin, dass es Vereinigungen zur Förderung der Kultur weiter geben müsse und dass die Medaille für ihn Auszeichnung, aber vielmehr auch Ansporn sei, den Weg weiterzugehen. Für Brigitte Stephan ist die Medaille etwas ganz Besonderes, wurde doch ihre Mutter als angehende Opernsängerin selbst von der Familie Frick gefördert, und auch im hohen Alter erinnerte sich Gottlob Frick noch an einen Besuch der jungen Brigitte Stephan in seiner Garderobe nach einem gelungenen Opernabend. Zudem sei sie froh und stolz, dass unter den Solisten des Nachmittags und Abends auch zwei seien, die den Anneliese-Rothenberger-Wettbewerb gewonnen haben.

 

Gottl.Fr.GesellschaftKuenstlertreffen.9-13.10.2018 (Mittel)
Präsident Frank Schneider, Ehrenpräsident Hans A. Hey, Brigitte Stephan, Christian Graf Bernadotte v.l.

 

Herzlicher Applaus begrüßt Professor Alois Seidlmeier, den Dirigenten des Heilbronner Sinfonie Orchesters, zu Beginn des Festkonzerts, und nach wenigen Augenblicken füllen neckisch die Töne der Zauberflöten-Ouvertüre von Wolfgang Amadeus Mozart den Saal.

Gottl.Fr.GesellschaftJahreskonzert.1-13.10.2018 (Mittel)
Heilbronner Sinfonie Orchester mit Dirigent Alois Seidlmeier (Mitte)

Seine Werke werden den ersten Teil des Konzerts prägen. Die Bühne ist bereitet für den Auftritt der vier ausgewählten Opernsänger, die im zweiten Teil ihre persönlichen Lieblingsarien vorstellen. Tenor Tilman Lichdi eröffnet mit der titelgebenden Arie von Tamino „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ und singt später die Arie des Belmonte „Ich baue ganz auf deine Stärke“. Hell und strahlend erklingt seine Stimme, die sich durch eine angenehme Klangfarbe auszeichnet. Geschickt führt Lichdi sein Instrument auch durch Koloraturen und im Piano. Das kommt ihm vor allem in der Arie des schneidig-galanten Almaviva aus „Il barbiere di Siviglia“ von Gioachino Rossini zugute. Lichdi hat sichtlich Freude an seinem Tun und vermittelt diese auch den Orchestermusikern und vor allem dem Publikum.

Gottl.Fr.GesellschaftJahreskonzert.3-13.10.2018 (Mittel) (Foto Gottlob Frick Gesellschaft-Fotomoment Mühlacker)
Tilman Lichdi

Natalia Kawalek singt Mozarts Konzertarie „Vado, ma dove? O Dei“ energiegeladen und mit viel Gefühl. Aus Rossinis Barbier entnimmt sie die Cavatine „Una voce poco fa“, in der sie vor allem durch die verschiedenen Facetten in ihrer Darbietung überzeugt, von neckisch über sehnsüchtig bis hin zu zickig ist alles vertreten. Ihre letzte Einzelarie singt die Mezzosopranistin als Zugabe. Jetzt steht sie als Carmen auf der Bühne: verführerisch, bildschön und blitzgefährlich für alle, die sich zu nahe an sie heranwagen.

Gottl.Fr.GesellschaftJahreskonzert.6-13.10.2018 (Mittel)
Natalia Kawalek

Bariton Alejandro Lárraga Schleske nimmt das Publikum bereits mit den ersten Tönen seiner Arie des Grafen aus „Le Nozze di Figaro“ „Hai già vinto la causa“ gefangen. Mit Leichtigkeit meistert er alle Schwierigkeiten, flüssig bleibt sein Gesang, geschmeidig seine Stimme. Auch mit der Arie des Don Giovanni „Finch’ han dal vino“ aus der gleichnamigen Oper kann Schleske begeistern. Das rasante Tempo beeindruckt den Sänger überhaupt nicht, sicher sitzt jede Silbe, jeder Ton, und die Stimme bleibt in vollem Umfang präsent und leuchtend. In der Arie des Rodrigo „Per me giunto – lo morró“ aus Verdis „Don Carlos“ lässt er noch einmal seine elegante Stimme erklingen, in die er so viele Gefühle zu legen vermag.

Gottl.Fr.GesellschaftJahreskonzert.10-13.10.2018 (Mittel)
Alejandro Lárraga Schleske

Jennifer O’Loughlin tritt an der Seite von Natalia Kawalek zum ersten Mal auf die Bühne. Ihre Sopranstimme erklingt lieblich, ohne kitschig zu sein, wie ein glitzernder Sonnenstrahl, der sich durch die Blätter eines Baumes seinen Weg sucht, um das Herz zu erfreuen. Mit Kawalek im Duett als Annio und Servilia aus Mozarts „La clemenza di Tito“ bildet sie ein Sängerpaar, ohne sich zu verlieren. In der Arie der Konstanze „Martern aller Arten“ begeistert sie durchweg. Zart ist der Einstieg dann in die Arie der Amina „Ah, non credo mirarti“. In den weiten, getragenen Melodiebögen entfaltet sie ihre Stimme in voller Klarheit. Koloraturen gelingen auch in höchsten Höhen, und der donnernde Applaus mit zahlreichen Bravo-Rufen ertönt zu Recht aus dem Publikum.

Gottl.Fr.GesellschaftJahreskonzert.16-13.10.2018 (Mittel) (Foto Gottlob Frick Gesellschaft-Fotomoment Mühlacker)
Jennifer O´Loughlin

Das Heilbronner Sinfonie Orchester genießt dieses Konzert sichtlich. Die vier Opernouvertüren, die thematische Überleitung und Einführung darstellen, gestalten die Musiker mehr als nur überzeugend.

Wenn Hans A. Hey im Festakt meinte, die heutigen Regisseure würden der Musik zu wenig bedeutungsvollen Raum lassen, als dass es noch wahre Sternstunden der Oper geben würde, so wird an diesem Nachmittag nicht nur sein Herz erfreut. Die jungen Sänger zeigen, dass es sich lohnt, in die Oper zu gehen und diese wunderbaren Stimmen zu hören.

Text: Mühlacker Tagblatt
Fotos: Gottlob-Frick-Gesellschaft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rückschau Konzert 2017

 

Die Opernsterne strahlten in hellem Glanz

Ötisheim Begeisterndes Konzert der Gottlob-Frick-Gesellschaft

Die Erwartungen lagen hoch bei den angekündigten Sternstunden der Oper. Erreicht wurden Sternstunden der Musik, denn das spielfreudige Heilbronner Sinfonie Orchester unter seinem neuen Leiter Alois Seidlmeier bot weit mehr als souveräne Sängerbegleitung. Mit sicherem Gespür und exakter Schlagtechnik gelang es dem elegant und doch temperamentvoll  agierenden Dirigenten differenziert den unterschiedlichen  Charakter der Instrumentalstücke  heraus zu arbeiten. Bereits mit der feurig gespielten Suite Nr. 1 aus Carmen überzeugte das Orchester in der  ausverkauften Erlentalhalle. Die beiden bekannten und doch so schwierigen Ouvertüren aus „Figaros Hochzeit“ und „Don Giovanni“  wurden brillant serviert. Tiefer Ausdruck und beeindruckende Dramatik gelang den Heilbronner Musikern in Beethovens Leonoren-Ouvertüre Nr. 3. In allen orchestralen Stücken bewährte sich das Heilbronner Sinfonie Orchester als homogene Einheit: Kontrastreicher, satter Streicherklang, strahlendes Blech, dynamische Holzbläser und rhythmisch präzises Schlagwerk ermöglichten diese Darbietungen auf solch hohem Niveau.

Der erste Stern ging auf, als die junge, fabelhaft aussehende brasilianische Mezzosopranistin Josy Santos die Bühne betrat und mit wundervoller Stimme und charismatischer Bühnenausstrahlung mit dem Tanzlied Seguidilla aus Bizets „Carmen“ das Publikum sofort in ihren Bann zog. Bei dieser Sängerin wurde  verständlich, dass Don José diesen auch gestisch mitreißenden Verführungskünsten nicht widerstehen konnte.

Dann kam Eike Wilm Schulte, der seit Jahrzehnten auf allen großen Bühnen der Welt strahlende Stern. Mit Leichtigkeit und Charme warb er als Papageno um ein Mädchen oder Weibchen, mit höchster Eindringlichkeit schildert er Cherubino die Plagen und Schrecken des Soldatenlebens, mit höchster Intensität meistert er die Spiegelarie des Dapertuttos aus Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“, am Ende gekrönt von einem mühelos erreichten hohen G. Seine ganze Wandlungsfähigkeit bewies Schulte in der mit dramatischer Wucht gestalteten Rachearie des Pizarro aus Beethovens „Fidelio“.  Zu einem singschauspielerischen Höhepunkt wurde das Duett  „Là ci darem la mano“ aus Don Giovanni. Nicht nur die Stimmen der beiden Sänger harmonierten perfekt. Es war geradezu anrührend, mit wieviel Gefühl   der mehr als fünfzig Jahre auf der Bühne stehende Eike Wilm Schulte um die junge Zerlina Josy Santos warb und beide sich dann liebevoll in die Arme sanken. War da noch eine Steigerung möglich? Ja es gab sie, als Eike Wilm Schulte in einem Feuerwerk aus Gesang, Mimik und Komik die Kavantine des Figaro aus Rossinis „Barbier von Sevilla“ geradezu umwerfend gestaltete und das Publikum zu frenetischem Beifallssturm und minutenlangen stehenden Ovationen hinriss. Wahrlich Sternstunden mit dem außergewöhnlichen Talent Josy Santos, der eine große Karriere vorher gesagt werden kann und dem unverwüstlichen Eike Wilm Schulte mit immer noch grandioser Bühnenpräsenz und einer unverbrauchten Stimme, die an ein Wunder grenzt, ja ein Wunder ist!

               

 

 

Matinee 2017
Sonntag, 15.10.2017  11.00 Uhr
Gemeindehalle Ölbronn

 “Wieland Wagner und sein Einfluss auf das Regietheater” (Anlass 100. Geburtstag)

Ein Podiumsgespräch im Rahmen unserer Matinee

Am 5. Januar 2017 wäre der in Bayreuth geborene Wieland Wagner 100 Jahre alt geworden, wenn er nicht schon am 17. Oktober 1966 in München gestorben wäre. Nachdem im vorigen Jahr eine geplante Veranstaltung zu seinem 50. Todestag in Bayreuth abgesagt wurde, kam die Matinee im Rahmen des diesjährigen Künstlertreffens der Gottlob-Frick-Gesellschaft in der Gemeindehalle in Ölbronn zu seinem Gedenken, aus Anlass seines 100. Geburtstags, gerade recht.

Eingerahmt von Hagens Rache aus der “Götterdämmerung”, gesungen von Gottlob Frick, und dem Finale des 2. Aufzugs von “Tannhäuser”, mit Anja Silja, Josef Greindl und Wolfgang Windgassen, fand ein knapp zweistündiges, von dem Fachjournalisten Thomas Voigt geleitetes Podiumsgespräch statt, im Rahmen dessen auch Beispiele in Bild und Ton vorgestellt wurden. Beteiligt an dieser Gesprächsrunde waren die inzwischen 77-jährige Sopranistin Anja Silja, die ihr Bayreuth-Debüt 1960 als Senta im “Fliegenden Holländer” hatte, der Theaterwissenschaftler Oswald Georg Bauer, der langjährige Pressechef der Bayreuther Festspiele, der “Die Geschichte der Bayreuther Festspiele” geschrieben hat und der in diesem Jahr den Leipziger Richard-Wagner-Preis erhalten hat, und Stephan Mösch, Professor an der Musikhochschule Karlsruhe und fast 20 Jahre lang verantwortlicher Redakteur der Fachzeitschrift “Opernwelt”.

OelbronnGottlobFrickMatinee.4-15.10.2017 (Medium)

v.l.  Thomas Voigt, Anja Silja, Stephan Mösch, Oswald Georg Bauer

1991 fand in Bayreuth eine Ausstellung mit dem Titel “Denkmalschutz für Wagner?” statt, zu der ein Beiheft erschienen ist, in dem mit Beispielen aus Aufsätzen, Briefen, Reden und Interviews das Denken und Wirken von Wieland Wagner untersucht wurde. Dabei stellte sich heraus, was man schon lange wusste, dass er keinesfalls für einen Denkmalschutz seines Großvaters stand. Vielmehr ging es ihm, der 1937 das Bühnenbild für “Parsifal” und 1942 das für “Die Meistersinger von Nürnberg” geschaffen hatte, bei dem Neubeginn der Bayreuther Festspiele 1951, deren künstlerischer Leiter er bis zu seinem Tod war, immer um neue Sichten auf das Werk von Richard Wagner. Er verzichtete auf detaillierten Naturalismus. Seine Arbeit zeichnete sich durch Abstraktion und Lichtregie aus, wodurch er die Musik wieder mehr in den Vordergrund rückte.

Dass bei diesem Konzept Kritik und Anfeindung, vor allem von sogenannten Alt-Wagnerianern, und auch Skandale nicht ausblieben versteht sich eigentlich von selbst. Erinnert sei nur an den Auftritt der dunkelhäutigen Grace Bumbry als “schwarze” Venus in der Bayreuther “Tannhäuser”-Aufführung von 1961. Doch im Gegensatz zu manchen Regisseuren in unseren Tagen ging es Wieland Wagner nicht darum, Aufsehen zu erregen oder gar durch Skandale bekannt zu werden, er hatte vielmehr Bildliches im Zusammenhang und zur Interpretation eines Werkes im Sinn.

Neben seiner Arbeit als Regisseur und der Wirkung seiner Inszenierungen kam aber auch Persönliches zur Sprache. So konstatierte Anja Silja, die im Zeitraum von fünf Jahren in 32 Wieland-Wagner-Inszenierungen auf der Bühne stand: “Die Selbstzerstörung war von Anfang an in ihm”.

Dirigenten, die mit ihm zusammengearbeitet haben, passierten Revue. Und schließlich wurde festgestellt, dass hinsichtlich der Lichtregie unter den Nachgeborenen Robert Wilson ihm am nächsten kommt. Eine sowohl interessante als auch aufschlussreiche Veranstaltung der Gottlob-Frick-Gesellschaft im Rahmen des Künstlertreffens 2017.

Dieter Schnabel